Der Hauspatron

Hauspatron

Bei unseren Ausgrabungen haben wir einen kleinen "Hauspatron" gefunden: eine geschnitzte Evangelistenfigur (vermutlich Johannes) aus der Mitte des 15. Jahrhunderts von etwa acht Zentimeter Höhe. Sie ist aus Knochen gefertigt und hält in der linken Hand ein Buch, die rechte ist zum Segensgruß erhoben. Ein Nachguss ist gegen eine Spende im Büro erhältlich.

Irrerstraße 1 - das ehemalige Irrerbad

Irrer von oben
Die Irrerstraße Februar 2008

Jahrzehntelang bot sich im Zentrum der Altstadt, am Eingang zur Weißgerbergasse ein trostloses Bild: Mit dem Anwesen Irrerstraße 1 bildete ein Torso die westliche Platzbegrenzung des Weinmarktes. Über einem Erdgeschoss, in dem sich schmutziger Verputz mit freiliegendem Sandstein mischte, duckte sich ein bräunlich verputztes Obergeschoss unter einem flachen, angerosteten Notdach. Aber dieses Gebäude bot mehr, als der schäbige erste Eindruck vermuten ließ.

Das 1326 erstmals schriftlich erwähnte Irrerbad wurde 1510 neu errichtet und ist heute das letzte der einst vierzehn Nürnberger Badehäuser, das sich als Bauwerk erhalten hat. Ein Umbau von 1693 schuf im wesentlichen die heutige Gestalt des Hauses. Das ehemals sichtbare Fachwerk des ersten Obergeschosses verschwand hinter einer Mauerschale und der spätgotische Fachwerkgiebel wurde durch einen neuen Giebel ersetzt. Verschiedene Umbauten der kommenden Jahrhunderte veränderten die Fensterverteilung und die Innenräume.

Nach dem Einbau der Schaufenster 1907/1908 behielt der Bau sein äußeres Erscheinungsbild bis zur Beschädigung 1945 bei. 1948 wurde der alte Dachstuhl abgetragen und durch ein Notdach ersetzt, das ein gutes halbes Jahrhundert bestehen sollte. Erst mit dem Kauf durch die Altstadtfreunde 1997 bot sich für das alte Irrerbad eine neue, eine bessere Zukunft. Während ein auf Rendite bedachter Investor sicher eine Aufstockung um ein Vollstockwerk veranlasst hätte (ähnlich wie zwanzig Jahre zuvor beim Nachbarhaus), war für die Altstadtfreunde klar, dass hier nur die Rückkehr zur alten Gebäudeform der städtebaulich herausragenden Situation des Denkmales gerecht würde. Schon vor dem eigentlichen Baubeginn im Jahr 2004 kündigte eine vorgeblendete Schaufassade aus bedrucktem Tuch an, was hier wieder entstehen sollte. - Mittlerweile kann man dieses bedruckte Tuch in Form von großen und kleinen Taschen im Büro erwerben. (Nehmen Sie sich ein Stück Irrerstraße mit nach Hause!)

Die Arbeiten gestalteten sich unerwartet schwierig, da der Baugrund aus meterhohen Aufschüttungen bestand. Die Außenmauern mussten nachfundamentiert werden, begleitet von umfangreichen archäologischen Arbeiten. Bei den Grabungen kamen interessante Funde zum Vorschein. Reste eines Stollensystems unter dem Badehausfußboden wurden sogar einer mittelalterlichen „Fußbodenheizung“ zugeordnet. Die Funde reichten aber weiterer zurück, bis hin zu Resten eines frühen, mittelalterlichen Holzhauses. Der bekannteste Fund ist sicher unser „Hauspatron“- eine geschnitzte Apostelfigur, die unsere Baumaßnahmen beschirmte.

Und seit Anfang Oktober 2007 ist es nun wieder soweit. Der Weinmarkt hat auf westlicher Seite sein Gesicht zurück, die Irrerstraße 1 wurde der Stadt und seinen Bewohnern zurückgegeben. Neben drei Wohnungen in den oberen Geschossen dürfen Sie sich in den beiden Läden im Erdgeschoss nun an den Werken einer Damenschneiderin und einer Goldschmiedin erfreuen!

Badehaus 15. Jahrhundert
Szene in einem Badehaus aus einer Handschrift von Valerius Maximus

Irrerstraße 1 – Das letzte Badehaus

Neben der städteräumlichen Bedeutung hat das Anwesen Irrerstraße 1 noch einen außerordentlichen kulturgeschichtlichen Wert: Es ist das einzige erhaltene ehemalige öffentliche Badehaus. Im Mittelalter gehörte das wöchentliche Bad zu den allgemein üblichen Vergnügungen: Man saß in eichenen Fässern und offenbar ging es dabei nicht immer ganz sittsam zu. Später ging der Besuch der Bäder aus Furcht vor Infektionen stark zurück. Aber noch 1607, als ein Investor das Irrerbad beseitigen wollte, setzte die Nachbarschaft sein Fortbestehen durch: nicht jeder besitze „aigne badstüblein“, und vor allem die Fuhrleute aus den umliegenden Wirtschaften und die Gärtner, die abends noch zum Tor hinaus wollen, könnten das Bad nicht entbehren. Eine weitere Begründung: Der warme Abfluss aus dem Bad halte im Winter eine Rinne in der vereisten Weißgerbergasse offen, wobei es anscheinend nicht störte, dass durch das „blut vom schrepfen (Aderlassen)“ die ganze Gasse manchmal aussah, „als wann sie geferbt wehr“.

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