Kühnertsgasse 18-22

Kühnertsgasse Handwerkerhäuser 2006
Die Häuser im September 2008

Drei mittelalterliche Handwerkerhäuser auf dem Weg ein Museum zu werden.

 

Nur einen Steinwurf weit von der Marientormauer entfernt, lassen sich in der Kühnertsgasse drei historische Häuser finden, auf deren Erhalt noch vor ein paar Jahren fast keiner einen Cent verwettet hätte. Wirft man einen Blick auf ihre jüngere Geschichte, so wird diese von einem Besitzer geprägt, dessen vorrangiges Ziel es war, die schon zum Teil seit Jahrzehnten leerstehenden Häuser abzubrechen und die Grundstücke und das anschließende Brachgelände neu zu bebauen.

Dass es nicht dazu gekommen ist, verdanken wir in erster Linie der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Nürnberg, die standhaft sämtliche Abbruchanträge abgelehnt und an den seit 1974 unter Denkmalschutz stehenden Einzeldenkmälern festgehalten hat, sowie den Nürnberger Altstadtfreunden, die immer wieder die Gebäude ins öffentliche Bewusstsein rückten.

Jeder denkmalgerechten Sanierung sollte eine sorgfältige Voruntersuchung vorausgehen, um wenigstens einigermaßen eine ungefähre Vorstellung der Sanierungskosten sowie Grundlagen für die Planung zu erhalten. Diese These vertreten die Altstadtfreunde bei all ihren Projekten. Während dieser Phase kam zwei Mitarbeitern bei der Unteren Denkmalschutzbehörde eine geniale Idee.

Aufgrund der schlechten Belichtung und der zum Teil sehr niedrigen Räume eignen sich die Häuser für Wohnungen nur sehr beschränkt. Statt schwer vermietbarer Wohnungen könnte doch unter Leitung der Naturhistorischen Gesellschaft ein Handwerkermuseum (das sich vom Mittelalter bis zum Beginn der Industrialisierung spannt) eingerichtet werden. Dieser Gedanke wurde von allen Seiten begrüßt, weil man damit massive Umbauten und den Verlust von historischer Bausubstanz, was zwangsläufig beim Einbau von Wohnungen geschehen wäre, vermeiden konnte.

Bald waren alle Formalitäten erledigt und nach Vorlage der Bescheide begannen im April 2005 die Bauarbeiten. Die geplante Nutzung als Museum, aber vor allem die Brandschäden, erlaubten in einem geringen Umfang die Rekonstruktion einiger Räume, so z.B. eine Bohlenstube mit Schüsselkachelofen in Nummer 20 und eine Küche mit Rauchhaube und gemauerter Herdstelle in Nummer 18.

fliehender Hirsch
Wandmalerei

Eine Sanierung dieser Art bringt immer wieder negative wie positive Überraschungen mit sich. Zu den negativen Erlebnissen zählen z.B. die vielfach anzutreffenden Fäulnis- und Wurmschäden. Dagegen gibt es Momente, die man nicht missen möchte, wie die Entdeckung einer gotischen spitzbogigen Türe von 1434 oder die Freilegung einer Wandmalerei um 1600, die vermutlich einen vor dem Jäger fliehenden Hirsch darstellt.

Bei der Beseitigung neuzeitlicher Bauteile ist man in Nummer 20 auf ein Gefachfeld mit Hohlziegeln gestoßen. Schnell war der Entschluss gefasst, diese Art der Dachdeckung, die zu den ältesten gehört und vor dem 2. Weltkrieg noch häufig anzutreffen war, auf der östlichen Dachfläche von Nummer 20 wieder zu verwenden. Da sich unserem Vorbild entsprechend keine industriell hergestellte Dachziegeln finden ließen, gingen die Altstadtfreunde eine Kooperation mit dem Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim ein. Viele ehrenamtliche Kräfte fertigten an sechs Wochenenden an die 1500 Hohlziegel.

Dank an alle Beteiligten!
Bad Windsheimer Hohlziegelherstellung

Neben der Erhaltung von Häusern haben sich die Altstadtfreunde u.a. zum Ziel gesetzt, historisches Baumaterial zu bergen und wieder zu verwenden. Gerade als das Eck- und das Mittelhaus zum Decken anstanden, hatte der Verein Nachricht vom Abbruch eines Bauernhauses in Stein erhalten. Mehrere Arbeitseinsätze der Baugruppe beanspruchte das Abdecken des Bauernhauses. Doch die Mühen haben sich gelohnt, am Ende waren an die 5000 Bieberschwanzziegel zum Abtransport in Holzkisten eingeschlichtet.

Noch vieles wäre zu berichten, doch dies muss einem eigenen Aufsatz in unseren Altstadtberichten vorbehalten bleiben.  

Mit Beendigung der Arbeiten, soweit lässt sich dies jetzt schon sagen, werden die Nürnberger ein Museum erhalten, das die Bauweise und die Wohnverhältnisse vom Mittelalter über den Barock bis hin zum Biedermeier in eindrucksvoller Weise widerspiegelt.

 

Dank an alle Beteiligten!
Bemerkenswertes in der Kühnertsgasse 18-22

Haus Nr. 18 (wenn man davor steht, das ganz rechts):
Anhebung der Dachfläche auf der Nordseite (=Riebe). Dadurch wird das Dachgeschoss zum Vollgeschoss (1510). Noch sichtbar an den Balken, auch von außen!
Haustüre aus der Biedermeierzeit aus einem anderen Gebäude. Ohne größere Veränderungen passte die geschenkte Haustüre in den originalen Türstock.
Um 1900 Durchbruch zur Nr. 20 wegen Heirat.
In der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts entstehen im Obergeschoss der gemalte Hirsch und Ranken.

Haus 20:
Dachdeckung mit Hohlziegeln (nur Nonnen, keine Mönche).
Warmluftöffnung in der Decke zwischen Erdgeschoss und 1. Obergeschoss. Warme Luft aus der Werkstube wurde auch für die darüber liegende Schlafkammer genutzt.
Spitzbogige Tür (Fund war absoluter Zufall!) links davon Reste der ursprünglichen Bohlenwand und ein Schürloch für einen Kachelofen. (Konnte von außen beheizt werden)

Haus 22:
1377 Blockstube in der süd-westlichen Ecke. (erste nachgewiesene Blockbaukonstruktion in Nürnberg!)
Der Aufzugerker von 1598 wurde wiederverwertet und auf das Dach von 1700 gesetzt.
Rückbau der straßenseitigen Gebäudehälfte bis etwa Gebäudemitte (1419; Grund ungeklärt).
Erweiterung des Gebäudes bis zur Straße, wieder auf die Grundlinie von 1377 (1548).

 

 

 

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