Geschichte der Altstadtfreunde
Hervorgegangen sind die Altstadtfreunde aus der „Vereinigung der Freunde der Altstadt Nürnberg e.V.“, gegründet im Jahr 1950, die sich vor allem um die Wiederherstellung der öffentlichen Bauten der im Krieg zu 90% zerstörten historischen Substanz Nürnbergs kümmerten. Im Oktober 1973 übernahm Dr. Erich Mulzer, Historiker und Geograph, das Ruder des 135 Mitglieder zählenden Vereins. Ausschlaggebend war der Abriss der letzten beiden Weberhäuser der Sieben Zeilen von 1489, die den Krieg unbeschadet überdauert hatten. Ein einmaliges, kulturpolitisches Denkmal ging verloren.
Zusammen mit einigen leidenschaftlichen Nürnbergern formte er die Vereinigung zu einer aktiven Bürgerinitiative, die seit März 1976 den Namen „Altstadtfreunde Nürnberg e.V.“ führt. Dem Verein und insbesondere ihrem Vorsitzenden war es von Anfang an wichtig, nicht nur Mahner und Kritiker zu sein, sondern zu zeigen, dass Bürgersinn und Bürgerwille etwas leisten können. Erste Arbeiten, die gleich ins Auge fielen, waren Fachwerkfreilegungen, Chörlein, Dacherker, Brunnen.
Die unter ihrem neuen Vorsitzenden Erich Mulzer vorgenommene Neuorientierung des Vereines mit einer sehr viel breiter angelegten Öffentlichkeitsarbeit schlug sich nicht zuletzt in den schnell wachsenden Mitgliederzahlen nieder. Mit den beliebten Stadtspaziergängen beispielsweise wurde eine Möglichkeit geschaffen, dem Nürnberger an sich und dem Interessierten im besonderen, die Schönheit und den identitätsstiftenden Wert der verbliebenen Baudenkmäler näher zu bringen. Die seit 1976 jährlich erscheinenden „Nürnberger Altstadtberichte“ mit wissenschaftlichen Artikeln tragen außerdem in nicht unerheblichem Maße dazu bei, dass in der breiten Bevölkerung ein Verständnis für die Arbeit des Vereins geschaffen wird.
Der große Durchbruch gelang 1978 mit der Rettung der Häuser am Unschlittplatz. Ein Ensemble, das von Stadtplanung und Stadtrat längst als unrettbar aufgegeben worden war und der Verbreiterung einer Straße weichen sollte, konnte in hartnäckigen Verhandlungen vor dem Abriss bewahrt werden.
Engagierte Bürger wurden gewonnen, die die vier Häuser nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten in Absprache mit den Altstadtfreunden auf eigene Rechnung wieder instandsetzten (=Unschlittplatz-Modell). Nach diesem Modell konnten noch vier weitere Denkmäler gerettet werden.
Wer kann sich den Unschlittplatz heute anders vorstellen?
Neben vielen kleineren denkmalpflegerischen Arbeiten konnten die Altstadtfreunde 1977 auch die erste Gesamtsanierung eines Altstadtfreundehauses abschließen. Weitere 9 Haussanierungen folgten, dazu kommen viele weitere Einzelmaßnahmen. Siehe Projekte
Die Arbeit der Altstadtfreunde findet in der Öffentlichkeit nicht nur ungeteilte Zustimmung. Während das Ringen um die Unschlittplatz-Häuser große Anerkennung erfuhr, erforderte der Kampf gegen das Augustinerhof-Projekt zur Rettung der Sebalder Altstadt ein jahrelanges Ringen mit Stadtverwaltung und Öffentlichkeit, das letztendlich in einem Bürgerentscheid zugunsten des Denkmalensembles Altstadt entschieden wurde.
Heute sind die Altstadtfreunde eine Bürgervereinigung, wie sie in Deutschland ihresgleichen sucht - eine Leistung, für die wir vor allem unserem langjährigen Vorsitzenden Dr. Erich Mulzer zu großem Dank verpflichtet sind. Mit annähernd 6000 Mitgliedern, von denen etwa 200 in engagierten Arbeitsgruppen ehrenamtlich aktiv werden, Führungen durchführen, Verwaltungsarbeit erledigen, Post austragen, auch selbst Hand anlegen, um Fachwerk freizulegen und Schutt zu räumen und vieles mehr. Ohne das tatkräftige Zutun der Altstadtfreunde und ihr ehrenamtliches Engagement sähe die Nürnberger Altstadt sehr viel ärmer aus.


